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Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger

Mario Adorf

Mayen. Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf, der am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

„Mit Mario Adorf verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit, einen großen Schauspieler und einen Menschen, der seine Wurzeln nie vergessen hat. Er war ein Botschafter unserer Stadt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus und hat Generationen von Menschen mit seinem künstlerischen Wirken beeindruckt“, so Oberbürgermeister Dirk Meid.

Mario Adorf wurde am 8. September 1930 in Zürich geboren und wuchs in Mayen auf. Trotz seiner internationalen Karriere blieb er seiner Heimatstadt stets eng verbunden. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Jahr 2001 war Ausdruck der besonderen Verbundenheit zwischen ihm und den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt.

„Wir sind stolz und dankbar, dass Mario Adorf den Namen unserer Stadt in die Welt getragen hat. Sein Lebenswerk wird unvergessen bleiben“, so Oberbürgermeister Dirk Meid weiter.

Alle Trauernden haben die Möglichkeit, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Foyer des Rathauses in der Rosengasse liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger ab morgen eintragen können. Das Buch liegt montags bis mittwochs jeweils von 8 – 12 Uhr, sowie von 13:30 – 15:30 Uhr aus. Donnerstags von 8 – 15:30 Uhr und freitags können zwischen 8 und 12:30 Uhr Eintragungen vorgenommen werden.

Foto: Dagmar Luxem/Stadt Mayen

Eine persönliche Nachricht von Intendant Alexander May:

Ein Leben für die Schauspielkunst – und für die Menschen

Die Burgfestspiele Mayen trauern um den Schauspieler Mario Adorf, der in der Nacht zum 8. April 2026 in Paris im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Mit Mario Adorf verliert Deutschland nicht nur einen der bedeutendsten Schauspieler seiner Zeit, sondern einen Künstler, der weit über die Bühne und die Leinwand hinausgewirkt hat – als Mensch, als Erzähler, als Europäer.

Über mehr als sieben Jahrzehnte hinweg hat er Figuren geschaffen, die im Gedächtnis bleiben – kraftvoll, widersprüchlich, voller Leben. Doch hinter all diesen Rollen stand immer ein Künstler, der das Menschliche suchte: das Verletzliche, das Zarte, das Unverstellte. Vielleicht war es genau das, was ihn zu einem so großen Schauspieler machte – und zu einem, den das Publikum nie nur bewunderte, sondern immer auch ins Herz schloss.

Mario Adorf war ein Weltbürger im besten Sinne. Seine Karriere führte ihn durch die europäische Film- und Theaterlandschaft, nach Italien, Frankreich und weit darüber hinaus. Und doch blieb er immer auch ein „Mayener Jung“. Diese besondere Verbindung – zwischen Welt und Herkunft, zwischen großer Kunst und gelebter Bodenständigkeit – prägte sein ganzes Leben.

Er war ein Künstler, der Brücken gebaut hat: zwischen Generationen, zwischen Kulturen, zwischen Hochkultur und dem, was man mit Recht Volkskunst nennen darf. Denn Adorf hatte die seltene Gabe, große Kunst verständlich und fühlbar zu machen – ohne sich je anzubiedern. Er war ein Volkskünstler im tiefsten Sinne: einer, der für die Menschen spielte, sprach und sang.

Den Burgfestspielen Mayen war er über Jahrzehnte eng verbunden – nicht nur als prominenter Name, sondern als Mensch. Er kam, wann immer es ihm möglich war. Er interessierte sich, fragte nach, war präsent. In der Spielzeit 2023 sprach er – mit über 90 Jahren – die Ansage im Theater sowie die Radiospots für die Spielzeit 2024 ein. Seine Stimme ist bis heute vor jeder Vorstellung zu hören – warm, unverwechselbar, nah.

Sein letzter Besuch bei den Burgfestspielen im Jahr 2024 führte ihn in „Peterchens Mondfahrt“ – ein besonderer Moment, auch für ihn selbst. Denn seine allererste Theaterrolle war einst der Sumsemann. Ein Kreis, der sich auf leise, fast poetische Weise schloss.

Für Mario Adorf waren die Burgfestspiele nie nur ein Festival. Sie waren ein Ort, an dem Theater lebendig bleibt, an dem Geschichten weitererzählt werden, an dem sich eine Region ihrer selbst vergewissert. Seine Verbundenheit hat diesem Ort Strahlkraft verliehen – weit über die Eifel hinaus.

Für die Stadt Mayen war er mehr als ein berühmter Sohn. Er war ein Teil ihrer Identität. Einer, der nie vergessen hat, woher er kam – und der zugleich gezeigt hat, wie weit man von dort aus gehen kann.

Mario Adorf hat einmal gesagt:

„Wenn man zurückblickt, merkt man: Das Leben hat seine eigene Dramaturgie. Man selbst ist nur einer, der immer wieder neu anfängt – mit Nadel, bloß.“

So bleibt er in Erinnerung: als großer Künstler, als Weltbürger – und als Mensch.

Eine persönliche Nachricht von Intendant Alexander May:

Sehr geehrte Zuschauer*innen, Mitarbeiter*innen und Freunde*innen der Burgfestspiele Mayen,

Die folgenden Zeilen sind vielleicht persönlicher als üblich verfasst, aber mit Thorsten Hamer ist nicht nur ein Schauspieler und Mitarbeiter von uns gegangen, sondern auch ein persönlicher Freund.

Als Thorsten sich für die Spielzeit 2022 bei den Burgfestspiele Mayen vorstellte, begann unsere Zusammenarbeit eigentlich mit einer Absage. Der erste vereinbarte Termin in München platzte, weil er kurzfristig als Schauspieler in seiner eigenen Inszenierung von Ewig Jung einspringen musste.

Unser Ensemble war zu diesem Zeitpunkt fast vollständig – die Sache hätte sich also leicht erledigt haben können. Aber zwei Wochen später rief er nochmal an und fragte mit freundlicher Beharrlichkeit, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gäbe. Also gab es ein weiteres Vorsprechen in Memmingen im Landestheater Schwaben, wo ich gemeinsam mit Christine Hofer interimsweise die Leitung innehatte.

Thorsten Hamer war uns bis dahin unbekannt und wir hatten keine Ahnung, was für ein außergewöhnlicher Komödiant da vor uns stehen würde. Er spielte zwar nicht seine Paraderolle Heinz Erhardt vor, sondern er spielte Hamlet: „Sein oder Nichtsein“. Und er sang ein Lied aus seinem Heinz-Erhardt-Abend in der ihm so eigenen, hinreißenden Art, daß uns dieses Vorsprechen,- und Singen schlicht umgehauen hat – seine Lust am Spiel, seine Tiefe, Präsenz, seine Vielseitigkeit. Wir haben ihn noch am selben Tag, nicht nur für Mayen, sondern auch gleich für Memmingen engagiert. Er war einfach zu gut, um ihn wieder gehen zu lassen.

In den folgenden Jahren wurde Thorsten zu einem festen Bestandteil der Burgfestspiele. Er hat das Publikum in Urfaust, Brigitte Bordeaux, Peterchens Mondfahrt im Sturm erobert. Mit seinem Willie Clark schenkte er uns zusammen mit Michael Ophelders als Al Lewis grandiose Sonny Boys. In Michael fand er in Mayen auch einen Kollegen, mit dem er nicht nur seinen geliebten Heinz Erhardt gemeinsam auf der Bühne feiern konnte, sondern auch einen Freund und „Sparringspartner“ für viele Theaterabende, mit denen die Beiden auch außerhalb der Mayener Spielzeit in Deutschland auf großen Bühnen unterwegs waren.
Dazu kamen unzählige literarische Abende, Gruselnächte, Wanderungen, Sonderformate im Arresthaus und auf der großen Bühne – Abende, die er scheinbar mühelos aus dem Nichts entstehen ließ.

Unvergesslich bleibt sein Einsatz im Urfaust, als ein Kollege kurzfristig ausfiel. Thorsten lernte innerhalb von 24 Stunden eine komplette zusätzliche Rolle (original Goethe-Verse), improvisierte, fing Szenen auf, spielte mit dem Publikum und den Kolleg*innen – und rettete den Abend mit einer Leichtigkeit und einem verschmitzten Charme, der alle mitriss. So etwas konnte nur Thorsten.

Er war ein begnadeter Komödiant mit einem unbestechlichen Gefühl für Rhythmus und Pointen, die er zuverlässig wie kleine Goldnuggets dem Publikum schenkte. Aber er hatte auch eine Tiefe und eine Gefährlichkeit für die ernsten und dunklen Rollen.
In Memmingen spielte er zusammen mit Mirjam Smejkal Quartett von Heiner Müller, was für mich zu einem der intensivsten Theatererlebnisse in meiner Laufbahn als Regisseur wurde. Thorstens Liebe zur Literatur und zur Sprache, seine Genauigkeit im Denken und Sprechen waren für mich Vorbild und Geschenk.

Thorsten war aber nicht nur auf der Bühne präsent. Er war in der Stadt präsent. In Cafés, auf Plätzen, in Gesprächen mit Menschen. Immer offen, herzlich, interessiert. Im Käferkostüm hatte er nach jeder Peterchens Mondfahrt Vorstellung noch lange Zeit für Fotos und Gespräche mit Kindern. Für ihn hörte Theater nicht am Bühnenrand auf, es gehörte mitten ins Leben.

Wir fragen uns vielleicht manchmal, was der Sinn am „Theatermachen“ ist. Thorsten hat die Antwort darauf jeden Tag aus ganzer Seele gelebt. Das ist vielleicht das, was neben seiner ehrlichen Herzlichkeit am meisten fehlen wird:
diese Selbstverständlichkeit, mit der er Theater zu den Menschen brachte.

Für die kommende Spielzeit war er fest eingeplant. Ein zentraler Baustein unseres Ensembles. Dass wir diesen Sommer ohne ihn denken und erleben müssen, schmerzt unfassbar. Thorsten war ein wunderbarer Schauspieler.
Und ein noch wunderbarerer Mensch und Freund.

Alexander May

Wir trauern um unser Ensemblemitglied

Thorsten Hamer

der nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Seit der Spielzeit 2022 war Thorsten Hamer ein prägender Teil der Burgfestspiele. Mit seiner außergewöhnlichen Bühnenpräsenz, seiner Vielseitigkeit und seinem feinen Gespür für Sprache und Timing begeisterte er Publikum und Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen.

Er war unter anderem in Produktionen wie Urfaust, Brigitte Bordeaux, Peterchens Mondfahrt sowie als Willie Clark in Neil Simons Sonny Boys erleben, wo er gemeinsam mit Michael Ophelders einen besonderen Höhepunkt gestaltete. Darüber hinaus bereicherte er die Burgfestspiele mit zahlreichen Solotheaterabenden, literarischen Abenden und Sonderformaten. Neben seinem Engagement in Mayen war Thorsten Hamer an verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum tätig, als herausragender Interpret von Heinz Erhardt wurde er einem breiten Publikum bekannt. Immer wieder trat er auch in Fernsehproduktion auf.

Mit Thorsten Hamer verlieren wir einen außergewöhnlichen Schauspieler und einen geschätzten Kollegen, der die Burgfestspiele nachhaltig geprägt hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

2025 © Burgfestspiele Mayen
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