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Wir trauern um unser Ensemblemitglied

Thorsten Hamer

der nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Seit der Spielzeit 2022 war Thorsten Hamer ein prägender Teil der Burgfestspiele. Mit seiner außergewöhnlichen Bühnenpräsenz, seiner Vielseitigkeit und seinem feinen Gespür für Sprache und Timing begeisterte er Publikum und Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen.

Er war unter anderem in Produktionen wie Urfaust, Brigitte Bordeaux, Peterchens Mondfahrt sowie als Willie Clark in Neil Simons Sonny Boys erleben, wo er gemeinsam mit Michael Ophelders einen besonderen Höhepunkt gestaltete. Darüber hinaus bereicherte er die Burgfestspiele mit zahlreichen Solotheaterabenden, literarischen Abenden und Sonderformaten. Neben seinem Engagement in Mayen war Thorsten Hamer an verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum tätig, als herausragender Interpret von Heinz Erhardt wurde er einem breiten Publikum bekannt. Immer wieder trat er auch in Fernsehproduktion auf.

Mit Thorsten Hamer verlieren wir einen außergewöhnlichen Schauspieler und einen geschätzten Kollegen, der die Burgfestspiele nachhaltig geprägt hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Eine persönliche Nachricht von Intendant Alexander May:

Sehr geehrte Zuschauer*innen, Mitarbeiter*innen und Freunde*innen der Burgfestspiele Mayen,

Die folgenden Zeilen sind vielleicht persönlicher als üblich verfasst, aber mit Thorsten Hamer ist nicht nur ein Schauspieler und Mitarbeiter von uns gegangen, sondern auch ein persönlicher Freund.

Als Thorsten sich für die Spielzeit 2022 bei den Burgfestspiele Mayen vorstellte, begann unsere Zusammenarbeit eigentlich mit einer Absage. Der erste vereinbarte Termin in München platzte, weil er kurzfristig als Schauspieler in seiner eigenen Inszenierung von Ewig Jung einspringen musste.

Unser Ensemble war zu diesem Zeitpunkt fast vollständig – die Sache hätte sich also leicht erledigt haben können. Aber zwei Wochen später rief er nochmal an und fragte mit freundlicher Beharrlichkeit, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gäbe. Also gab es ein weiteres Vorsprechen in Memmingen im Landestheater Schwaben, wo ich gemeinsam mit Christine Hofer interimsweise die Leitung innehatte.

Thorsten Hamer war uns bis dahin unbekannt und wir hatten keine Ahnung, was für ein außergewöhnlicher Komödiant da vor uns stehen würde. Er spielte zwar nicht seine Paraderolle Heinz Erhardt vor, sondern er spielte Hamlet: „Sein oder Nichtsein“. Und er sang ein Lied aus seinem Heinz-Erhardt-Abend in der ihm so eigenen, hinreißenden Art, daß uns dieses Vorsprechen,- und Singen schlicht umgehauen hat – seine Lust am Spiel, seine Tiefe, Präsenz, seine Vielseitigkeit. Wir haben ihn noch am selben Tag, nicht nur für Mayen, sondern auch gleich für Memmingen engagiert. Er war einfach zu gut, um ihn wieder gehen zu lassen.

In den folgenden Jahren wurde Thorsten zu einem festen Bestandteil der Burgfestspiele. Er hat das Publikum in Urfaust, Brigitte Bordeaux, Peterchens Mondfahrt im Sturm erobert. Mit seinem Willie Clark schenkte er uns zusammen mit Michael Ophelders als Al Lewis grandiose Sonny Boys. In Michael fand er in Mayen auch einen Kollegen, mit dem er nicht nur seinen geliebten Heinz Erhardt gemeinsam auf der Bühne feiern konnte, sondern auch einen Freund und „Sparringspartner“ für viele Theaterabende, mit denen die Beiden auch außerhalb der Mayener Spielzeit in Deutschland auf großen Bühnen unterwegs waren.
Dazu kamen unzählige literarische Abende, Gruselnächte, Wanderungen, Sonderformate im Arresthaus und auf der großen Bühne – Abende, die er scheinbar mühelos aus dem Nichts entstehen ließ.

Unvergesslich bleibt sein Einsatz im Urfaust, als ein Kollege kurzfristig ausfiel. Thorsten lernte innerhalb von 24 Stunden eine komplette zusätzliche Rolle (original Goethe-Verse), improvisierte, fing Szenen auf, spielte mit dem Publikum und den Kolleg*innen – und rettete den Abend mit einer Leichtigkeit und einem verschmitzten Charme, der alle mitriss. So etwas konnte nur Thorsten.

Er war ein begnadeter Komödiant mit einem unbestechlichen Gefühl für Rhythmus und Pointen, die er zuverlässig wie kleine Goldnuggets dem Publikum schenkte. Aber er hatte auch eine Tiefe und eine Gefährlichkeit für die ernsten und dunklen Rollen.
In Memmingen spielte er zusammen mit Mirjam Smejkal Quartett von Heiner Müller, was für mich zu einem der intensivsten Theatererlebnisse in meiner Laufbahn als Regisseur wurde. Thorstens Liebe zur Literatur und zur Sprache, seine Genauigkeit im Denken und Sprechen waren für mich Vorbild und Geschenk.

Thorsten war aber nicht nur auf der Bühne präsent. Er war in der Stadt präsent. In Cafés, auf Plätzen, in Gesprächen mit Menschen. Immer offen, herzlich, interessiert. Im Käferkostüm hatte er nach jeder Peterchens Mondfahrt Vorstellung noch lange Zeit für Fotos und Gespräche mit Kindern. Für ihn hörte Theater nicht am Bühnenrand auf, es gehörte mitten ins Leben.

Wir fragen uns vielleicht manchmal, was der Sinn am „Theatermachen“ ist. Thorsten hat die Antwort darauf jeden Tag aus ganzer Seele gelebt. Das ist vielleicht das, was neben seiner ehrlichen Herzlichkeit am meisten fehlen wird:
diese Selbstverständlichkeit, mit der er Theater zu den Menschen brachte.

Für die kommende Spielzeit war er fest eingeplant. Ein zentraler Baustein unseres Ensembles. Dass wir diesen Sommer ohne ihn denken und erleben müssen, schmerzt unfassbar. Thorsten war ein wunderbarer Schauspieler.
Und ein noch wunderbarerer Mensch und Freund.

Alexander May

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